Psychologische Beratung und Coaching angesichts und inmitten der Corona-Pandemie – unkompliziert in der Vermittlung, qualitativ geprüft und vor allem ohne dafür vor Ort in die Praxis kommen zu müssen: Das bietet die neue facebook-Seite Kraft in Krisen“. Sie ist ab sofort online. Eine der beiden Gründerinnen ist Carolin Schneider aus Augsburg, sie ist selbst seit 12 Jahren als Therapeutin dort tätig und zugleich Leiterin der Heilpraktiker-Schule „Centrum Novem“. Wir haben mit Carolin Schneider über das neue Angebot gesprochen: 

Frau Schneider, was bietet Ihre facebook-Seite „Kraft in Krisen“? 

Auf unserer Seite vermitteln wir Hilfesuchenden psychologische Beratung bei Heilpraktikern für Psychotherapie oder Coaches, die derzeit noch Kapazitäten frei haben. Das Wesentliche dabei ist, dass wir das über unsere Seite sehr rasch vermitteln können. Wir ermöglichen also Hilfe dann, wenn sie benötigt wird. Außerdem sieht auf unserer Seite jeder sofort, was auf ihn zukommt: Wir haben uns als Therapeuten-Pool auf eine einheitliche Vorgehensweise geeinigt und bieten angesichts der derzeitigen Ausnahmelage Beratung nahezu zum Selbstkosten Preis an: Eine ca. 40-minütige Beratungseinheit kostet 35,00 Euro. 

Wie kamen Sie auf die Idee?  

Wir sehen, dass in der derzeitigen Situation, angesichts der Corona-Pandemie, Menschen erheblichen Belastungen ausgesetzt sind. Jeder von uns erfährt das. Die sozialen Kontakte sind eingeschränkt, Alltagsstrukturen brechen weg, es tauchen Ängste auf. Die öffentlichen Hotlines sind überlastet und können von der Kapazität her gar nicht alles und jeden auffangen. Hier sehen wir einen wirklich großen Bedarf an Zuwendung und Hilfe, und zwar jetzt, mitten in dieser Krise und Belastungssituation. Hier schließt unsere facebook-Seite eine Lücke.  

Viele Praxen sind ja derzeit geschlossen und Therapie-Gespräche von Angesicht zu Angesicht sind nicht möglich – Stichwort „social distancing“. Wie regeln Sie das?   

Es gibt bei unseren Therapeuten die Möglichkeit der Beratung per Video Call und Telefon. Das wird dann jeweils mit dem Hilfesuchenden abgeklärt, welche Möglichkeit er bevorzugt. Damit müssen wir unsere beratende Unterstützung in der Corona-Krise eben nicht einstellen, sondern können im Gegenteil Hilfe gerade jetzt anbieten, denn jetzt wird sie dringend gebraucht – das geht überall, unser Angebot ist ja unabhängig vom Wohnort.  

Ist es möglich, telefonisch bzw. per Video Call die Beratung und Qualität anzubieten, die man sonst beim persönlichen Termin in der Praxis erfährt?  

Ja. Das ist möglich. Beim Aufbau von Vertrauen ist der wesentliche Punkt der Rapport zwischen Berater und Klient. Umgangssprachlich würden wir das als den guten zwischenmenschlichen Kontakt zueinander ausdrücken. Wenn dieser gelingt, dann spielt das Medium der Kommunikation keine entscheidende Rolle. Oder anders gesagt: Es ist nicht das Medium, das diesen Kontakt herstellt.  

Wie stellen Sie die Qualität ihres Netzwerkes sicher?  

In unseren Pool werden ausschließlich Therapeuten und Coaches aufgenommen, die uns ihre Ausbildung nachgewiesen haben und die Erfahrung aufweisen, entweder als amtlich geprüfte Heilpraktiker für Psychotherapie, als Coach oder Sozialarbeiter. Das klären wir für alle Kontakte, die wir auf unserer facebook-Seite vermitteln, darum muss sich der Klient also nicht kümmern. Kompetenz ist für uns das Wichtigste.  

An wen richtet sich Ihr Angebot – wem können Sie helfen und wem nicht?  

Wir können helfen bei Problemen, die sich durch die drastischen Einschränkungen des Alltags und durch Ängste angesichts der Corona-Pandemie ergeben können. Also beispielsweise bei Situationen und Gefühlen von Isolation und Einsamkeit. Bei Angstzuständen ausgelöst durch Sorgen um die eigene Gesundheit oder der von Angehörigen, sowie bei Sorgen um die berufliche Existenz. Wir können auch Unterstützung bieten für Menschen, die gerade aufgrund ihrer Tätigkeit am Limit sind.  

Wo wir nicht helfen können, das ist zum Beispiel bei schwereren depressiven Verstimmungen, bei psychiatrischen oder psychotischen Erkrankungen. In solchen Fällen aber haben wir Leitlinien und können Empfehlungen herausgeben, wo derjenige sich hinwenden kann. Was wir auch nicht bieten, sind Therapie-Gespräche via facebook. Das ist mir ganz wichtig zu sagen. Das gehört in den geschützten Raum zwischen Therapeut und Klient, und diesen können wir über unsere Seite vermitteln.  

Wer ist Ihr Team bei der Gründung und dem Aufbau der Plattform?  

Ich mache das gemeinsam mit meiner Kollegin Carola Leitenmeier, wir arbeiten seit 12 Jahren gemeinsam zusammen mit zwei Praxen und einer Heilpraktiker-Schule und mit Liesa Aumeier, die uns ihre Social Media- und grafische Kompetenz uneigennützig zur Verfügung stellt. Liesa Aumeier ist ebenfalls Heilpraktikerin für Psychotherapie und bietet psychologische Beratung über unser Netzwerk an. Für den Aufbau unserer online-Plattform haben wir zudem viel Unterstützung von Kollegen im therapeutischen Bereich. Darüber hinaus Freunde, die uns ehrenamtlich mit ihrem Know-How helfen, zum Beispiel beim Aufbau der Seite oder bei der Öffentlichkeitsarbeit.   

Denken Sie und ihr Team auch über die jetzigen Corona-Zeiten hinaus?   

Ja. Die Folgen dieser Krise werden uns noch lange begleiten, mit Aufhebung der derzeitigen Beschränkungen wird viel Arbeit auf uns alle zukommen. Die Vision ist, unser Angebot dauerhaft aufrecht zu erhalten. Ich weiß aus meiner Praxiserfahrung heraus: Wir haben einen extrem großen Bedarf an therapeutischer und beratender Hilfestellung, in Deutschland haben wir schon seit vielen Jahren einen eklatanten Mangel an freien Plätzen bei niedergelassenen Psychotherapeuten. Diese eh schon dramatische Situation wird sich im Zuge der Corona-Krisen nochmals verschärfen.  Deswegen planen wir unsere Plattform als dauerhafte Anlauf- und Vermittlungsstelle für Menschen, die psychologische Unterstützung suchen. Wir starten jetzt mit dem, was wir jetzt auf dem Weg bringen können: qualitativ hochwertige, rasche Hilfe, nahezu zum Selbstkostenpreis und ohne, dass sich Hilfesuchende mit Dutzenden von Telefonaten und langwierigen Internet-Recherchen herumplagen müssen. Das ist also unser erster Baustein – unsere Facebook-Seite Kraft in Krisen.